Donnerstag, 20. September 2018

Chronik der Ortsfeuerwehr Hambergen 1893 - 1993

Bis zum Jahre 1908 lässt sich der Werdegang nur lückenhaft schildern. Fest steht, dass im Jahre 1893 nach einem größeren Brand der Gemeindeausschuss einen Beschluss gefasst hatte, dass aus jedem Hause, soweit männliche Personen im Alter von 18 bis 60 Jahren vorhanden waren, ein Mann zu erscheinen hatte, wenn Feueralarm gegeben wurde.
An Löschgeräten war damals eine kleine Karrenspritze, die von einem Feuerwehrmann gezogen werden konnte, vorhanden. Die damaligen Feuerwehrkameraden wussten zu berichten, dass man mit dieser kleinen Spritze doch Löscherfolge gehabt hätte. Bis etwa 1930 hat diese erste Spritze noch im damaligen Feuerwehrhaus gestanden.
Um die Jahrhundertwende wurde eine große Handdruckspritze angeschafft. Diese wurde von zwei Pferden zur Einsatzstelle gezogen, konnte das Löschwasser ansaugen und über eine Strecke von etwa 200 Metern fördern.
Die Alarmierung wurde zu dieser Zeit durch das Läuten der "Feuerglocke" ausgelöst. Später kamen dann die "Feuerhörner" hinzu.
Im Jahre 1907 kamen interessierte Männer aus der Gemeinde zusammen, und aus der bestehenden Pflichtfeuerwehr wurde die "Freiwillige Feuerwehr Hambergen" gegründet. Erster "Feuerwehrhauptmann" wurde Wilhelm Puckhaber.



Die ersten Uniformen erhielten die Feuerwehrkameraden im Jahre 1910. Es waren braune Drillichjacken und Lederhelme mit Messingkamm.
Seit 1911 führte dann der ehemalige zweite Zugführer Hermann Brünjes die Feuerwehr. Unter seiner Leitung wurde auch eine Feuerwehrkapelle gegründet, die mit Ihrer Blasmusik noch bis Mitte der zwanziger Jahre auf vielen Festlichkeiten gespielt hat.
Da zur Zeit des ersten Weltkrieges nur noch wenige für den Brandschutz zur Verfügung standen wurde auch die Jugendwehr zum Feuerwehrdienst herangezogen. Zum Hauptmann wurde Karl Haake, der dieses Amt bis Ende des Krieges ausgeführt hat.
Nach Kriegsende 1919 konnte sich die Feuerwehr wieder neu organisieren. Die Führung übernahm wieder Hermann Brünjes. 1920 standen mehr als 40 Mann für den Feuerlöschdienst zur Verfügung.
Im Jahre 1922 kam es nach einem Brand in Vorwohlde zu einer Krise in der Feuerwehr, worauf sich diese auflöste und wieder eine Pflichtfeuerwehr gegründet wurde.
Die Neugründung erfolgte am 20. Mai 1925. Zum Hauptmann wurde Johann Bullwinkel, zum Stellvertreter Hinrich Puckhaber gewählt. Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich bald auf 43.
Im Jahre 1926 erhielt die Feuerwehr eine neue Handdruckspritze. Die Uniformierung erfolgte 1927: braune Tuchröcke, Leibgurt und Lederhelm.
Von 1928 bis 1931 war Friedrich Brünjes " Gemeindebrandmeister". Sein Nachfolger wurde Diedrich Puckhaber.



Das Jahr 1933 bedarf einer besonderen Beachtung, weil der Hambergener Feuerwehr die Ausrichtung des "Kreis-Feuerwehrverband-Festes" übertragen wurde, das am 25.Juni stattfand.
In einer Versammlung am 20. Februar 1934 mussten neue Bestimmungen eingeführt werden. Die Feuerwehr wurde zum "eingetragenen Verein" und führte somit den Namen "Freiwillige Feuerwehr e. V. Hambergen". Das Kommando musste zurücktreten und neu gewählte werden. Die Bezeichnung "Feuerwehrhauptmann" wurde in "Feuerwehrführer" mit der Funktionsbezeichnung "Brandmeister" umgewandelt. Die Wahl des Feuerwehrführers bedurfte neben der Bestätigung des Kreisbrandmeisters auch die des Kreisleiters der NSDAP. Die übrigen Führungskräfte wurden vom Brandmeister ernannt (Führerprinzip). Diedrich Puckhaber blieb weiterhin Brandmeister.
Wöchentlich musste jetzt einmal nach einer für alle Feuerwehren einheitlichen Ausbildungsvorschrift geübt werden.

 



Am 15. Februar 1938 wurde Brandmeister Diedrich Puckhaber durch den Kreisführer abberufen. Am 26. April wurde Ludwig Ficken zum Brandmeister ernannt.
Im Herbst 1940 wurde dann auch die "Hitler-Jugend" gemäß einer Verfügung des Reichsjugendführers zum Feuerwehrdienst herangezogen.
Am 31. März 1942 wurde die von der Gemeinde angeschaffte Motorspritze der Feuerwehr feierlich übergeben.
Weitere organisatorische Veränderungen wurden alsbald verordnet; die Feuerwehren wurden wieder aus dem Vereinsregister gestrichen und als "Feuerlöschpolizei" der Polizei angegliedert. Am 01. September 1944 wurden 25 weibliche Helferinnen für den Feuerwehrdienst verpflichtet.
Nach Kriegsende im Frühjahr 1945 bekam die Hambergener Feuerwehr durch Tausch mit der Feuerwehr Bremen ein Löschfahrzeug LF8 und war somit vollmotorisiert. Die Feuerwehrhelferinnen und die Ersatzfeuerwehrmänner konnten entlassen werden.
An den alsbald eingeführten Feuerwehrwettkämpfen hatte sich die Hambergener Feuerwehr stets beteiligt und gute Erfolge erzielt.
Gemeindebrandmeister Ludwig Ficken lehnte im Jahre 1956 eine Wiederwahl ab. Zum Nachfolger wurde Bernhard Brünjes gewählt.
Im Jahre 1959 erhielt die Feuerwehr eine neue Tragkraftspritze TS 8/8.
Am 11. September 1965 konnten sowohl das neue Feuerwehrhaus am Parallelweg als auch ein neues Löschgruppenfahrzeug 8 ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Freiwillige Feuerwehr Hambergen verfügte somit über ein angemessenes Domizil, das insbesondere auch den beiden Löschfahrzeugen sowie den sonstigen Gerätschaften ausreichend Unterstellmöglichkeiten bot.
Seit 1967 gehört eine Gruppe bzw. Staffel dem ersten Zug der Kreisfeuerwehrbereitschaft Osterholz an, das dazugehörige Fahrzeug wurde mit einem Sprechfunkgerät ausgestattet.

 



Das Jahr 1968 brachte große Veränderungen in der Führung der Feuerwehr. Gemeindebrandmeister Bernhard Brünjes verzichtete auf eine Wiederwahl. Zu seinem Nachfolger wurde Wilhelm Heißenbüttel gewählt. Auch der stellvertretende Brandmeister Wilhelm Monsees lehnte eine Wiederwahl ab. Als sein Nachfolger wurde Werner Ficken (Ahrens) gewählt.
Das Jahr 1968 stand wesentlich im Zeichen des 75jährigen Bestehens unserer Feuerwehr.
Am 17. Dezember 1971 konnte mit der Indienststellung der Tanklöschfahrzeuges 16/25 (TLF 16/25) die Fahrzeugausstattung um ein wichtiges Löschfahrzeug ergänzt werden.
Der erste Einsatz der Feuerwehr Hambergen im Rahmen der Katastrophenhilfe der Kreisfeuerwehrbereitschaft erfolgt am 13. November 1972, als schwere Orkane über die norddeutsche Tiefebene hinweg gezogen waren und eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatten.
Auf der Jahreshauptversammlung des Jahres 1973 wurde der Beschluss gefasst, neben aktiven Mitgliedern auch "fördernde Mitglieder" in unsere Feuerwehr aufzunehmen. Nicht zuletzt dadurch konnte die Anteilnahme und die Verbundenheit weiter Teile der Bevölkerung mit der Tätigkeit ihrer Feuerwehr gestärkt werden.
Die Dienstversammlung des Unterkreises nominierte am 24. April 1973 unseren Kameraden Wilhelm Heißenbüttel zum neuen Unterkreisbrandmeisters des Unterkreises Hambergen.
Die im Jahre 1974 im Land Niedersachsen vollzogene Verwaltungs- und Gebietsreform brachte auch für die Freiwilligen Feuerwehren bedeutsame organisatorische und damit einher auch personelle Umstrukturierungen.
So wurde Träger der Feuerwehr die neugebildete Samtgemeinde Hambergen.
Die bisherige "Freiwillige Feuerwehr Hambergen" wurde zur "Ortsfeuerwehr Hambergen" und bildet seither mit den Ortsfeuerwehren in Holste-Hellingst, Holste-Oldendorf, Vollersode, Vollersode-Bornreihe sowie den beiden damals aus dem ehemaligen Kreis Wesermünde hinzugekommenen Ortsfeuerwehren Axstedt und Lübberstedt die jetzige Gemeindefeuerwehr.
Auf einer außerordentlichen Dienstversammlung am 06. Juli 1974 konnten in Hambergen die bisherigen Führungskräfte ihre Leitungsfunktionen beibehalten.
Am 04. September 1974 wurde das "Gemeindekommando" der "Freiwilligen Feuerwehr Hambergen" gebildet. "Gemeindebrandmeister" wurde Wilhelm Heißenbüttel, sein Stellvertreter Heinz Wellbrock aus Axstedt.
Am 03. Januar 1975 wurde Werner Ficken (Ahrens) Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Hambergen, da Wilhelm Heißenbüttel durch die Wahl zum Gemeindebrandmeister dieses Amt freigab. Harald Breselge wurde stellvertretender Ortsbrandmeister. Ebenfalls wurde beschlossen, dass eine Jugendabteilung ins Leben gerufen werden sollte.
Erster Jugendwart wurde Harald Breselge, stv. Jugendwart Dieter Prigge.
Am 17. und 18. August 1975 beteiligte sich eine Gruppe unserer Ortsfeuerwehr im Rahmen der Kreisfeuerwehrbereitschaft an der Löschhilfe bei der Waldbrandkatastrophe in der Lüneburger Heide. Für Ihren Einsatz wurden unsere Kameraden Harald Breselge, Johann Maschmeier, Fritz Meyer, Reinhard Monsees, Jürgen Riggers, Martin Seedorf, Herbert Tienken und Helmut Waschwill am 05. Mai 1977 mit einer "Gedenkmedaille" geehrt.
Dieter Prigge wurde am 15. Januar 1977 neuer Jugendwart, Bernd Brünjes sein Stellvertreter. Aus der sich gut entwickelnden Jugend-Abteilung konnten schon bald die ersten Kameraden in den aktiven Feuerwehrdienst übernommen werden. Die Jugend-Abteilung ist ein unverzichtbarer Teil unserer Ortsfeuerwehr, die es verdient, beachtet und respektiert zu werden.
Während der Zeit vom 14. bis 17. Februar 1979 war bei der sogenannten Schneekatastrophe auch die Ortsfeuerwehr Hambergen bei unterschiedlichen Notlagen eingesetzt, um ihren bedrängten Mitbürgern Hilfe zu leisten.

 



In diesem Jahr beschloss die Samtgemeinde Hambergen der Ortsfeuerwehr Hambergen zwei weitere Garagen zur Verfügung zu stellen. Das neue Gebäude konnte am 15. September feierlich eingeweiht werden. Im gleichen Jahr konnte die Ausrüstung durch einen sogenannten Rettungssatz bestehend aus Rettungsschere und -spreizer, sinnvoll ergänzt werden.
Am 24. April 1981 konnte der Ortsfeuerwehr ein neues Löschgruppenfahrzeug 8 (LF 8), durch den damaligen Samtgemeindedirektor übergeben werden. Gleichzeitig bekam die Feuerwehr vom ortsansässigem Zahnarzt Rolf Seef ein gebrauchtes Motorrad geschenkt.
Einen organisatorischen Einschnitt musste die Ortsfeuerwehr Hambergen im Jahre 1982 hinnehmen, als sie durch Beschluss des Rates der Samtgemeinde Hambergen von einer sogenannten "Schwerpunktfeuerwehr" zu einer "Stützpunktfeuerwehr mit Mehrausstattung" herabgestuft wurde. Ein Trostpflaster war dabei die Bestimmung, dass sie personelle Ausstattung weiterhin der einer Schwerpunktfeuerwehr entsprechen sollte.
In der Jugendabteilung trat zu Beginn der Jahres 1986 ein erneuter Wechsel ein. Jugendwart wurde Bernd Brünjes, sein Stellvertreter wurde Bernd Ahrens.
Am 06. Dezember 1986 wurde der lang ersehnte neue Schulungsraum mit Teeküche und neugestaltetem Sanitärbereich eingeweiht.
Zum 31. Dezember 1986 schied unser Kamerad Wilhelm Heißenbüttel zu unserem großen Bedauern aus gesundheitlichen Gründen aus seiner Funktion als Gemeindebrandmeister aus. Sein Tod im Januar 1987 nach langer, schwerer Krankheit traf seine Kameraden schwer.
Zum  neuen Gemeindebrandmeister konnte mit Harald Breselge wieder in Kamerad der Ortsfeuerwehr Hambergen gewählt werden. Nach 20jähriger Tätigkeit in der Leitung unserer Feuerwehr schied Werner Ahrens im Januar 1987 als Ortsbrandmeister aus eigenem Wunsch aus. Sein Nachfolger wurde Arend Wehmann. Bernd Brünjes wurde stellvertretender Ortsbrandmeister.
Das Jahr 1989 brachte einen erneuten Wechsel im Bereich der Jugend-Abteilung. Neuer Jugendwart wurde Bernd Ahrens, stv. Jugendwart Volker Leopold.

 



Mitte der achtziger Jahre gelangte die Ortsfeuerwehr aufgrund einer erheblichen Zunahme technischer Hilfeleistungen unterschiedlichster Art zu der Überzeugung, dass diesem Einsatzschwerpunkt seitens der Ausbildung, aber auch hinsichtlich der Ausrüstung, besonderes Augenmerk geschenkt werden müsse. Hinzu kam das auch in den Reihen der Feuerwehren zunehmende Bewusstsein, verstärkt im Bereich des Umweltschutzes aktiv Hilfe leisten zu müssen.
Am 26. Oktober 1991 konnte schließlich ein geeignetes Fahrzeug In Dienst gestellt werden, ein Rüstwagen 1 (RW 1). Die bereits umfangreiche Ausstattung des Rüstwagens konnte 1992 noch durch die Beschaffung von vier sogenannten Chemikalienschutzanzügen, die einen Einsatz auch bei Vorhanden sein von giftigen und ätzenden Stoffen zulassen, vervollständigt werden.
Die Ortsfeuerwehr Hambergen wird dem Bereich der Unfälle mit Gefahrstoffen in Zukunft weiterhin besondere Aufmerksamkeit widmen; die technischen Voraussetzungen für wirksame Sofortmaßnahmen sind gegeben. Die Leitung der Jugendabteilung oblag seit 1992 dem Kameraden Volker Brünjes; ihm zur Seite stand als stv. Jugendwart Roland Heckelen.
Am 20. Juni 1992 konnte die Feuerwehr mit erheblicher Eigeninitiative ein ehemaliges Polizeifahrzeug zu einem Einsatzleitwagen 1 (ELW 1) umgestalten und In Dienst stellen.
Das war ein Streifzug durch 100 Jahre Feuerwehr in Hambergen. Der Bogen spannt sich von der Handdruckspritze unserer Großväter bis zum modernen Rüstfahrzeug; von der Feuerpatsche über Rettungsschere bis zum Chemikalienschutzanzug.
Seit 1993 hat sich natürlich wieder einiges in unserer Ortsfeuerwehr Hambergen getan, sei es Personell oder Technisch. Die Chronik wird zu jedem Jubiläum aktualisiert. Über aktuelle Geschehnisse kann man sich auf den übrigen Seiten unserer Internetpräsenz informieren.
Der Begriff "Feuerwehr" umreißt nur noch ein kleines Aufgabengebiet. Längst wurden die Kameraden zur universalen Hilfeleistungseinheit. Eine Aufzählung aller bereits da gewesenen unterschiedlichen Einsätze würde den Rahmen sprengen.
Eines aber hat sich seit der Gründung der ersten Feuerwehr in Hambergen nicht geändert. Das ist die Freiwilligkeit, dem in Not geratenen Mitmenschen uneigennützig und unentgeltlich Hilfe zu gewähren, auch unter Einsatz des eigenen Lebens.
Dabei wird die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr nicht von der technischen Entwicklung entschieden; selbst die modernste Technik kann nur den freiwilligen Helfer unterstützen. Es müssen sich daher auch in Zukunft, und dies gerade in unserem ländlichen Bereich, Menschen zur ehrenamtlichen Hilfeleistung bereitfinden.

 

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